Dienstag, 12. Juli 2016

Du bekommst nicht den Hund, den du möchtest, du bekommst den Hund, den du brauchst ( 12.Juli 2016)

Sorry, Blogger spinnt mit der Schrift. Ich versuche, das noch hinzubekommen.




Genau 1 Jahr ist es her, dass ich Emily zum ersten Mal gesehen habe. Damals hieß sie noch Bonnie und war einer von 8 Welpen.
Ich weiß gar nicht, ob ich damals wirklich bereit war, Emily bei mir aufzunehmen. Kimbas Tod saß mir noch in den Knochen und dann noch die Trauer um Casey. 
Es war einfach nicht die Zeit für einen neuen Welpen. 
Aber Emily hat sich so um mich bemüht, sich so an mich heran geschmissen, mich so bezirzt, ich glaub, sie wusste damals schon, dass ich sie unbedingt brauchte.Und auch meine Familie war sich sicher, ich brauche einen neuen Hund. 
Und so trat dieses kleine Etwas in mein Leben.  ♥♥♥


Aber es kam, wie es kommen musste, alles lief schief. 
Emily war ganz anders, als ich es mir gedacht hatte. Sie war ein Hexenbiest. 
Schön und lieb, aber von einer Sekunde zur anderen ein Teufel. 
Und keine Hundeschule konnte helfen. Im Gegenteil, sie machten es noch schlimmer.
"Das ist halt ein Aussie, was hast du erwartet?"
"Die tanzt dir auf der Nase rum, du musst härter sein!"
"Der Hund ist nicht richtig ausgelastet, du musst mit ihr mehr unternehmen."

Ich hatte das Gefühl, ich mache alles falsch. 
Noch schlimmer, ich hatte das Gefühl, dass ich mir von 1000en von Welpen genau den falschen Welpen ausgesucht habe und dass Emily mich hasst. 
Das ist ein ganz schlimmes Gefühl, denn ein Welpe ist ein Lebenwesen und kein Pullover, den man umtauschen kann, wenn er nicht passt. 

Noch dazu kam, dass sie ständig krank war (bis heute). Die Tierarztkosten und Sorgen fraßen mich auf. Und die ständigen Tierarztbesuche machten das Verhältnis zwischen Emily und mir auch nicht besser. Das Vertrauern war einfach zerstört oder nie da gewesen.

Und die ganzen Einflüsse von Außen machten es auch nicht besser. All die Welpenbesitzer, die in den höchsten Tönen von ihren Hunden sprachen. Alle waren so lieb, so ruhig, so intelligent, so brav....................könnt ihr euch vorstellen, wie man sich da fühlt, wenn man selber das Gefühl hat, man wird es nie schaffen?

Zurückblickend muss ich wirklich sagen, die ersten Monate waren der Horror. 
Und um ehrlich zu sein,  ich habe oft überlegt, Emily abzugeben.
Nicht, weil ich nicht mehr konnte und keine Kräfte mehr hatte, sondern einfach, weil ich das Gefühl hatte, Emily ist nicht glücklich bei mir. Aber ich konnte einfach nicht..........ich brachte es nicht über's Herz. Dafür hatte ich das Hexenbiest viel zu lieb gewonnen und ich hätte einfach nicht ertragen, nicht zu wissen, wo sie ist und wie es ihr geht. Und ich hätte nicht ertragen, genau zu wissen, wo sie ist und nicht bei ihr sein zu können. 


Immer wieder fragte ich mich, was habe ich bei Kimba anders gemacht, als bei Emily.
Warum lief damals bei Kimba alles so rosarot und bei Emily so pechschwarz?
Die einzige Antwort, die ich fand war, dass Emily nicht Kimba ist und ich nicht mehr die Nicole von damals bin. Es waren völlig andere Lebensumstände mit einem völlig anderen Welpen. 
Und ich dachte wirklich, ich schaffe das nie.



Niemals aufgeben.............

(Zitat aus dem Buch 101 Hundetricks - Kyra Sundance und Chalcy)

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, um all die Trainingsfehler aufzuzählen, die ich im Laufe der Jahre mit ihr gemacht habe. Ich habe ihr die falschen Dinge beigebracht, die falschen Methoden angewandt und falsch auf sie reagiert. Sicher, in unserem Training habe ich Mist gebaut, aber wir haben es hinbekommen!
Wir haben noch einmal von vorne angefangen und Dinge und Regeln neu erlernt.
Dieser Weg ist steiniger, keine Frage, aber sicherlich  machbar.
Ich erwarte von meinem Hund nicht, dass er ein Automat ist, ebenso wenig wie ich einer bin.
Wir versuchen, wir lernen, wir scheitern, wir haben Erfolg.
Wir arbeiten zusammen und wir geben uns gegenseitig immer wieder eine neue Chance.
Wir verpassen immer noch den einen oder anderen Slalomeinlauf, aber wir verpassen niemals die Gelegenheit, es nochmals zu versuchen!"

Als ich diese Worte von Kyra las, hatte ich ein bisschen Pippi in den Augen. Denn es ist so wahr. 
Man kann immer wieder von vorne anfangen. Auch wenn mal etwas schief läuft im Leben, aufstehen, Krone richten und weitermachen. Nichts ist verloren, ehe man aufgibt. 

Im März diesen Jahres lernte ich Brigitte Hirsch und ihre Hirschgruppe über Facebook  kennen.
Sie ist selber Aussie-Besitzerin, Aussie-Züchterin und vermittelt in Webinaren und Seminaren, wie man besser mit seinem Hund kommuniziert. 

Das war das größte Glück, was uns passieren konnte. 
Leider konnte ich bisher nur ein Webinar machen aus verschiedenen Gründen, aber ich wünschte, ich könnte einmal an einem Seminar mit Emily teilnehmen. 
Ohne dieses Webinar wären Emily und ich mit Sicherheit nicht da, wo wir jetzt sind. 
Denn mir wurde durch das Hirschen bewusst, dass ich mich ändern muss, wenn ich Emily glücklich machen möchte, wenn wir zusammen glücklich sein wollten.

Die erste Zeit klappte es auch super. Es war wie Zauberei, Emily war plötzlich wie ausgewechselt.
Aber nach ein paar Wochen wurde es wieder schlechter. Und ich wieder wütender und genervter. 
Ich verstand nicht, warum Emily so war wie sie war. Ich konnte oder wollte einfach nicht sehen, dass sie nur der Spiegel meiner Seele ist. Dass sie jede negative Gefühlsregung von mir in sich aufsog und sie nach außen hin abgab. 
Emily, der kleine Empath.




Aufgeben  war für mich niemals eine Option. 

Ich versuchte mich selber zu beruhigen. Bewusst tief durchzuatmen, bevor es zum Spaziergang durch die Tür ging. Keine Angst mehr vor dem Spaziergang haben. 
Wenn Leute über Emily schimpfen, laut "Es tut mir leid" und leise "LmaA" sagen. 
Nicht mehr so genervt sein, wenn Hunderte von Spaziergängern, Joggern oder Fahrradfahrern  uns entgegen kamen. Für Emily musste ich mir selber vormachen, dass diese Menschenmengen einfach nicht da sind. Und siehe da, es wurde besser.

Fahrradfahrer sind für Emily nun gar kein Problem mehr. Oft sieht sie eher als ich, bleibt dann stehen und schaut mich an. Dann rufe ich sie zu mir und lasse sie absitzen. Bei Joggern ist es noch etwas schwierig, die muss ich zuerst sehen. Und es kommt auch immer auf den Jogger an, ob sie bellt. Aber meist geht es  inzwischen gut. 

Zu Hunden ist Emily einfach nur großartig. Sie mag alle, egal ob Rüde oder Weibchen und egal wie groß. Sie liebt es, mit Hunden zu spielen. 

Die meisten Menschen mag sie auch. Und die werden dann auch ausgiebig zum kuscheln ausgenutzt. Ob sie wollen oder nicht. ;) Dennoch gibt es immer noch vereinzelte Exemplare, die sie anbellt. Warum auch immer. Ich vermute, dass diese Menschen eine negative Energie ausstrahlen und da Emily sehr unsicher ist, sie diese Energie nicht mag. Aber anstatt mich wie vorher den ganzen Spaziergang darüber zu ärgern, dass sie wieder einmal gebellt hat, sage ich mir einfach "Was soll's? Ich mag ja auch nicht jeden Menschen." und freue mich, dass sie sich vom nächsten wieder durchknuddeln lässt. 

Kinder sind noch so eine besondere Spezie. Aber mittlerweile weiß ich, dass Emily eigentlich  Kinder mag. Nur, wenn sie schreien und kreischen, rennen oder frech sind, das mag sie nicht.
Ich mag das ehrlich gesagt auch nicht. ;) Wir bemühen uns und es wird immer besser. Sie hat schon einige Kinder hier in der Nachbarschaft, die sie abgöttisch liebt. 



Es hat sich schon so viel getan. Dennoch muss ich beim Spazierengehen immer ein Auge auf Madamchen haben. Aber ich denke, das wird schon. Rom ist auch nicht an einen Tag gebaut  worden und Emily ist doch gerade erst 1 Jahr alt. 






Ich wollte einfach mal das Jahr mit Emily Revue passieren lassen. 
So schwer der Anfang und die ersten Monate mit ihr waren, so sehr ich mir wünschte, ich hätte von Anfang an Brigitte und ihre Gruppe zur Seite gehabt, 
umso mehr sind wir jetzt zusammen gewachsen. 

Seit 4 Wochen machen wir Spaß-Agility und Emily ist ein Naturtalent. 

Es macht ihr so einen Spaß und sie ist einfach nur glücklich dabei. 
Neben dem Agilityplatz sind Gänse und Hühner, der Zaun gerade mal 50cm hoch. Locker könnte sie darüber springen, aber das möchte sie gar nicht. Sie beobachtet nur manchmal still und leise diese "anderen Hunde". 

Wir lernen auch ein paar Tricks. Emily ist nicht die schnellste im Lernen, aber ich glaube, wenn sie einmal etwas begriffen hat, dann behält sie es auch im Kopf. 


Sie kann wirklich schon vieles mit ihren 13 Monaten. Aus macht sie sehr gut, eins mit Sternchen. Sogar eine tote Maus oder Hasen........wenn jemand aus sagt, spuckt sie es aus. 


Sie kann super auf Entfernung Sitz und Platz. Megastolz.

Apportieren, tot spielen, Slalom durch die Beine, Touch, sich drehen, Einparken, Pfötchen natürlich, Winken, Männchen..........das sind nur ein paar Tricks, die wir schon eingeübt haben. 

Leider entfernt sie sich draußen noch sehr weit, aber dafür kommt sie auf Rückruf auch zu 99% sofort.  Da kann ich dann ein Auge zudrücken, aber es wäre mir schon lieber, wenn sie mehr in meiner Nähe bliebe. 

Und die Leinenführigkeit ist auch noch nicht so 100%ig. Von daher wäre ein Seminar schon ein Traum für mich. Schauen wir mal, ob es nächstes Jahr klappt, obwohl  es dann vielleicht ja eh nicht mehr gebraucht wird, wer weiß.

Warum ich euch das alles hier so aufschreibe und erzähle? 

Weil ich denke, dass es sicherlich ganz vielen Welpenbesitzern so geht wie mir. Dass man der Verzweiflung nah ist, dass man glaubt, einen Fehler gemacht zu haben, dass man das Gefühl hat, alles falsch gemacht zu haben. Und dass man vielleicht über eine Trennung nachdenkt. 


Ich möchte euch nur sagen, dass es sich lohnt, durchzuhalten. Dass es sich lohnt, sich selber auch mal zu hinterfragen und sich zu ändern. Es ist alles andere als einfach, aber es ist es mehr als wert. 


Emily ist so ein toller Hund, sensibel, ein bisschen unsicher und sehr empathisch. 

Wenn ich traurig bin, kommt sie zu mir und legt ihren Kopf auf meine Schulter. 
Dann leckt sie einen erst ganz sanft am Ohr und dann die Tränen aus dem Gesicht. 
Und so wild sie sonst ist, in diesen Momenten ist sie ganz sanft und ganz nah bei dir. 
In genau in solchen Momenten lieb ich sie noch viel mehr. 
Ich werde weiterhin an mir arbeiten und weiterhin mit ihr arbeiten. Und wir werden ein noch tolleres Team werden, als wir schon sind. 

Und ich werde euch weiterhin mit Fotos und Geschichten auf dem Laufenden halten. 


Letzte Woche hat meine Mum zu  mir gesagt:

"Kind, wenn du nur sehen könntest, wie abgöttisch dich dieser Hund liebt!"


Ich weiß es ja, und ich liebe sie auch ♥ ♥ ♥  bis zum Mond und zurück. 




Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben. Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird, und auch, wenn der erste Rausch verflogen ist, sehen sie uns immer mit genau diesem Ausdruck in den Augen an. Das tun sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Vielleicht, weil sie uns von Anfang an als das sehen, was wir wirklich sind: fehlerhafte, unvollkommene Menschen. Menschen , die sie sich dennoch genau so ausgesucht haben. Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens. Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte. Er tut es einfach. Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.






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1 Kommentar:

  1. oh mann... grade habe ich einen Kloß im Hals und Pipi inne Augen .... aber du hast das für dich (und uns alle) so wunderbar ge- und beschrieben da ist soviel Liebe und Gefühl drin ..
    Hach, könnte ich euch doch mal wirklich kennen lernen.
    So viele Geschichten hast du schon mit uns geteilt aber heute ging´s mir mal wieder besonders nah
    LG hellerlittle und einen extra Krauler an Emily

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Ich freue mich riesig über eure Kommentare. Dankeschön!!!

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